Patenrede von Ulrich Deppendorf 

 

Guten Abend , meine Damen und Herren.

Ganz einfach:

Wir – die Veranstalter und die Leitung von Young Euro Classic – wir freuen uns:

Aus zwei Gründen: Dass Sie, liebes Publikum, wieder so zahlreich heute Abend erschienen sind und: Sie sind wieder da! Nach langjähriger Abwesenheit – 2003 zum letzten Mal- begrüßen wir mit großer Freude das Gustav Mahler Jugendorchester. Herzlich willkommen zurück bei Young Euro Classic !!

Der große, auch  in Berlin so verehrte Claudio Abbado, hat dieses Orchester 1986 gegründet.

Er hatte eine  Vision: Junge österreichische Musiker sollten gemeinsam mit  jungen Musikern aus der damaligen CSSR und Ungarn zusammenspielen .Es gelang Abbado, dass zum ersten Mal für dieses Orchester freie Probespiele – sogenannte Auditions- in den damaligen Ostblockländern stattfanden. 1992 öffnete sich das Orchester dann für Musiker bis zum 26. Lebensjahr aus allen europäischen Ländern!

Claudio Abbado war nicht nur ein musikalischer, er war mit dieser Gründung auch sehr früh ein politischer Visionär. Er wusste um die Leuchtkraft und die Stärke dieses  Kontinents.

Er war ein Mann des Friedens und des Humanismus. Und er war ein Mann des Gespürs für große musikalische  Augenblicke. Für das Zusammenführen  unterschiedlicher Stimmen und Gruppen in einem Orchester

Wir bräuchten gerade jetzt  mehr Abbados in der Europäischen Politik.

Schließen Sie  bitte einmal für einen kurzen Moment die Augen und stellen Sie sich vor, Claudio Abbado würde  die Bühne des Konzerthauses betreten und ein neues – von Ihm gegründetes – Europäisches Orchester dirigieren.

Die große Frage: Wer säße heute Abend an den ersten Pulten?

Als Konzertmeisterin Angela Merkel, sich abwechselnd mit dem etwas eifersüchtigen Francois Hollande.

An der Pauke: Martin Schulz, immer für einen kräftigen Schlag gut.

Jean Claude Juncker würde am großen Becken gerne mal dazwischenfunken und zeigen, dass auch er gerne Chef sein will.

Die Hörner und Posaunen waren früher besetzt mit  David Cameron und seiner Crew. Seine  Nachfolgerin, Theresa May, muss sich erst einmal mit der Triangel zufrieden geben.

Hornisten und Posaunisten kommen jetzt aus  den Baltischen Staaten, die Trompeten führt immer selbstbewusster Mateo Renzi, der Italiener, an. Die Holzbläser – viele  Spanier und Portugiesen darunter-machen sich immer wieder spitz bemerkbar unter der  Führung des Griechen Tsipras. Und an der Tuba sitzt – spannungsgeladen auf seinen tief-dröhnenden Einsatz wartend: Horst Seehofer!

Claudio Abbado aber hat sie alle verzaubert, sie haben nur ein gemeinsames Ziel: Mahlers  Neunte – das wohl kompositorisch hochwertigste Werk Gustav Mahlers, als wunderbares Musikerlebnis für das Publikum mit voller Kraft gemeinsam zu gestalten ! Aus einer Abschiedssymphonie  würden sie mit Abbado vielleicht auch eine Symphonie der Zuversicht machen.

Ach  – könnte  der Visionär Claudio Abbado doch noch einmal die genannten Damen und Herren und viele Andere für ein gemeinsames Europa neu begeistern!

Augen auf:

Heute Abend wird das diesen wunderbaren Musikern des Gustav Mahler  Jugendorchesters gelingen, unter der Leitung eines Schweizer  Stardirigenten, Philippe Jordan und mit  einem bayrischen Weltstar: nein nicht der… sondern dem Bariton Christian Gerhaher. Er singt zunächst die Solokantate „ Ich habe genug“ von Johann Sebastian Bach, Bachwerkeverzeichnis 82.

So: Nun haben Sie genug von mir. Ich wünsche  Ihnen einen wunderschönen Abend mit dem Gustav- Mahler Jugendorchester unter der Leitung von Philippe  Jordan und dem  Bariton aus Straubing: Christian Gerhaher. Ein europäischer Genuss eben!!

Vielen Dank für Ihre Geduld!

Ulrich Deppendorf, 28. August 2016