Iris Mencke

Iris Mencke
Max-Planck-Institut für empirische Ästhetik, Frankfurt a.M.

Zeitgenössische Musik als Herausforderung

Für nicht wenige Konzertbesucher*innen ist zeitgenössische Musik eine Herausforderung. Fremde Klangwelten, keine eingängigen Melodien – oft vermisst man das, was man gewohnt ist. Tatsächlich bescheinigen Studien aus der Kognitionspsychologie, dass es sich – insbesondere bei atonaler Musik – um eine nicht ganz einfache Hörerfahrung handelt: die Musik ist schwerer zu merken, schwerer wieder zu erkennen und vor allem schwerer vorherzusagen als klassische oder romantische Musik.
Schaut man ein wenig tiefer ins Gehirn, stellt man fest, dass Vorhersagemechanismen von komplexen Interaktionen zwischen verschiedenen Gehirnarealen gesteuert werden. Die neurowissenschaftliche Forschung versucht derzeit unterschiedliche Prozesse des predictive coding als einen grundlegenden Gehirnmechanismus zu entschlüsseln. Unser Gehirn ist wohl nicht nur auf das korrekte Vorhersagen zukünftiger Ereignisse spezialisiert, sondern berechnet parallel, wie gut diese überhaupt vorhergesagt werden können.
Sind wir mit etwas Unvorhergesehenem konfrontiert, werden unsere Voraussagen auf ein Minimum reduziert. Was bedeutet das für das Erleben von zeitgenössischer Musik? Und worin liegt dann die eigentliche Herausforderung beim Hören?

 

Zur Person

Iris Mencke studierte systematische Musikwissenschaft in Potsdam und Berlin und arbeitet derzeit als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Max-Planck-Institut für empirische Ästhetik in Frankfurt a.M. Neben ihrem Studium war sie im Kulturmanagement, als Regieassistentin am Theater und als Musikjournalistin aktiv und absolvierte darüber hinaus Forschungspraktika in der Music, Mind & Brain Group des Goldsmiths College in London und am Exzellenzcluster ‚Languages of Emotion‘ der Freien Universität Berlin. Ein Forschungsstipendium wird sie noch in diesem Jahr in das Center for Music in the Brain (MIB) der Universität in Aarhus (Dänemark) führen. Für das kommende Jahr ist der Abschluss ihrer Promotion im Fachbereich Psychologie an der Goethe Universität Frankfurt geplant. Ihr interdisziplinäres Promotionsprojekt behandelt ein Thema, was bisher kaum Beachtung in der empirischen Musikforschung fand: die besondere Herausforderung bei der Wahrnehmung zeitgenössischer Musik. Mit sowohl qualitativen als auch quantitativen Methoden erforscht sie, welche Mechanismen zu einem positiven Erlebnis mit solch einer Musik beitragen und welche spezifischen Erlebnisdimensionen zeitgenössische Musik im Hörer hervorrufen kann.

In Kooperation mit der Max-Planck-Gesellschaft im Werner-Otto-Saal
Einlass mit Konzertticket um 18:15 Uhr, Beginn 18:30 Uhr

Veranstaltung in deutscher Sprache