19:00 Uhr
Jac van Steen Dirigent
Max Todes Assistenzdirigent
Rebecca Murphy Sopran
Sam Kane Komponist
Frederik Hanssen Konzerteinführung
SAM KANE · "Journey to the Otherworld" (2026, Deutsche Erstaufführung)
HAMILTON HARTY · „The Children of Lir” (1938)
SERGEJ RACHMANINOW · Symphonische Tänze op. 45 (1940)
Nach 18 Jahren kehrt das Ulster Youth Orchestra (UYO) mit Sitz in Belfast erstmals wieder zurück zu Young Euro Classic. Und es bringt ein sehr apartes Programm mit, an dessen Anfang ein ganz neues Werk von Sam Kane, einem jungen nordirischen Komponisten, vorgestellt wird. Ebenfalls aus Irland stammte Sir Hamilton Harty, der vor und nach dem Ersten Weltkrieg als Dirigent und Komponist in England vielbeschäftigt war. Sein letztes Werk, The Children of Lir von 1938, ist ein großangelegtes Orchestergemälde mit einem wunderschönen Sopransolo – einmal mehr eine Rarität, wie sie auch im reichhaltigen Berliner Musikleben höchstens bei Young Euro Classic zu entdecken ist. Als Hauptwerk des Abends erklingen dann die Symphonischen Tänze von Sergej Rachmaninow, jener nostalgische, farbenreiche Rückblick auf ein bewegtes Komponistenleben, geschrieben genau zur gleichen Zeit wie die Komposition von Hamilton Harty. Nicht zu vergessen der Mann am Pult: Der Niederländer Jac van Steen kennt das Konzerthaus sehr gut, ist er doch seit vielen Jahren immer wieder beim Konzerthausorchester zu Gast gewesen.
Konzerteinführung und Fragerunde um 18:00 Uhr mit Frederik Hanssen im Werner-Otto Saal. Einlass mit Konzertticket.
1993 gegründet, spielt das Ulster Youth Orchestra eine wichtige Rolle im musikalischen Leben des kleinsten der vier britischen Landesteile. Bei seinen Konzerten tritt das Ensemble regelmäßig nicht nur in Belfast und Derry/Londonderry, sondern auch in der Republik Irland auf. Weitere Einladungen führten das UYO nach Schottland und zu den Proms nach London. Im Laufe der letzten Jahre hat das Orchester 14 Aufträge an bereits arrivierte oder aufstrebende nordirische Komponistinnen und Komponisten vergeben, um auf diese Weise die musikalische Szene der Region aktiv zu unterstützen. Seine Mitglieder sind zwischen 14 und 23 Jahre alt; sie werden mit Hilfe von dreitägigen Auditions ausgewählt. Professionelle Unterstützung erhält das UYO durch Mitglieder des Ulster Orchestra und des Hard Rain Soloist Ensemble für zeitgenössische Musik. Neben der eigentlichen Probenarbeit engagiert sich das Orchester auch in einer Reihe von sozialen und Bildungsprojekten, etwa mit älteren Menschen. Nach seinem Debüt 2008 kehrt das Ulster Youth Orchestra jetzt erstmals wieder zu Young Euro Classic zurück.
Der niederländische Dirigent Jac van Steen hat über sein Heimatland hinaus vor allem in Deutschland und Großbritannien viele wichtige Positionen innegehabt. 1956 in Eindhoven geboren, war van Steen 1997-2002 Chefdirigent der Nürnberger Symphoniker, anschließend Generalmusikdirektor am Deutschen Nationaltheater Weimar. 2008-2013 wirkte der Dirigent am Opernhaus Dortmund. Neben seinen Verpflichtungen beim National Symphony Orchestra of Wales, dem Ulster Orchestra und dem BBC Symphony Orchestra verbindet ihn auch eine langjährige Zusammenarbeit mit dem Konzerthausorchester Berlin. Weitere Einladungen führten ihn in alle Welt, so nach Sao Paolo, Kuala Lumpur, Tokyo und Johannesburg. Als Operndirigent arbeitet er regelmäßig mit verschiedenen niederländischen Opernhäusern wie auch der Garsington Opera zusammen, einem sommerlichen Festival in der Nähe Londons. Darüber hinaus unterrichtet Jac van Steen das Fach Dirigieren am Konservatorium in Den Haag und hält Meisterklassen am Royal College of Music in London ab.
Der junge britische Dirigent Max Todes kann bereits auf eine Vielzahl bemerkenswerter Aktivitäten zurückblicken. Mit 15 Jahren entdeckte er sein Interesse für Dirigieren und belegte erste Kurse bei Pro Corda, einem britischen Bildungsprogramm für Kinder und Jugendliche. 2017, mit 16 Jahren, gründete Todes sein erstes eigenes Ensemble, das Cavatina Orchestra, das sich aus Studierenden mehrerer Londoner Konservatorien zusammensetzte. Unter seiner Leitung trat das Ensemble mit Werken von Sibelius, Brahms, Tchaikovsky, Mahler, Mozart und Beethoven auf. Im selben Jahr gründete Todes außerdem die Cavatina Opera, mit der er eine Produktion von Mozarts Zauberflöte an der City of London School herausbrachte. Todes ist Absolvent des St. John’s College, Cambridge; als Cellist spielte er außerdem im Collegium Musicum der Universität Cambridge, in dem er intensive Erfahrungen mit historisch informierter Aufführungspraxis sammelte. Derzeit studiert er das Fach Dirigieren am Royal Conservatoire of Scotland bei Martyn Brabbins.
Die nordirische Koloratursopranistin Rebecca Murphy hat sich in den letzten Jahren über Großbritannien hinaus auch im Kontinentaleuropa einen Namen gemacht. So war sie, nach ihrem Studium an der Universität Belfast und dem Königlichen Konservatorium in Glasgow, von 2020-22 Mitglied des Internationalen Opernstudios an der Oper in Köln, wo sie unter anderem die Blonde in Mozarts Entführung aus dem Serail, die Frasquita in Bizets Carmen und die Rollen des Sandmännchen / Taumännchen in Humperdincks Hänsel und Gretel gesungen hat. An der Garsington Opera trat Rebecca Murphy als Zerbinetta in Strauss‘ Ariadne auf Naxos auf. Darüber hinaus gilt das große Interesse der Sängerin zeitgenössischer Musik; so arbeitet sie regelmäßig mit irischen Komponisten wie Anselm McDonnell, Conor Mitchell und Ian Wilson zusammen. Einen weiteren Schwerpunkt bildet polnische Musik; so finden sich auf ihrer jüngst erschienene CD Traverser neben Liedern von McDonnell, Berlioz und Fauré auch Kompositionen von Chopin und Szymanowski.
Der nordirische Geiger und Komponist Sam Kane wuchs mit einer Liebe zur klassischen und irischen traditionellen Musik auf, bevor er nach Manchester ging, wo er Violine am Royal Northern College of Music studierte. Er wirkte als Konzertmeister im Ulster Youth Orchestra mit und trat mit dem Ulster Orchestra und der Manchester Camerata auf. Inzwischen widmet sich Kane immer stärker der Komposition. Er gewann den Kompositionspreis des Liverpool Philharmonic, der zu einer Aufführung seines Werkes durch das Ensemble 10:10 und Domingo Hindoyan führte. Kompositionsaufträge erhielt der Musiker vom Buxton International Festival, den ORA Singers und dem Rain Soloist Ensemble, wo er als „Young Artist“ in der Saison 2023/24 wirkte. Er hat seine eigenen Werke in der traditionsreichen Wigmore Hall, dem Leighton House und dem St James' Palace in London aufgeführt; außerdem wurde einer seiner Kompositionen für Sopran und Orchester auf Classic FM ausgestrahlt. Sein neuestes Werk für das Ulster Youth Orchestra erklingt in Deutscher Erstaufführung bei Young Euro Classic.
Frederik Hanssen, geboren 1969 in Berlin, studierte Musikwissenschaft und französische Philologie in seiner Heimatstadt sowie in Clermont-Ferrand und Mailand. Von 1998 bis Ende 2025 arbeitete er als Redakteur für klassische Musik beim Berliner „Tagesspiegel“. Neben seiner journalistischen Arbeit ist er im Bereich Musikvermittlung aktiv, als Autor von Programmheften, als Konzert-Moderator sowie als Referent bei Einführungsvorträgen. Frederik Hanssen lebt mit seiner Familie in Berlin und Rom.