19:00 Uhr
Penderecki Youth Orchestra Polen
Carlos Miguel Prieto Dirigent
Gabriela Ortiz Komponistin
Frederik Hanssen Konzerteinführung
KRZYSZTOF PENDERECKI · Adagietto aus „Paradise Lost“ (1979)
JOHANNES BRAHMS · Symphonie Nr. 3 F-Dur op. 90 (1883)
SILVESTRE REVUELTAS · „La noche de los Maya“ (1939)
GABRIELA ORTIZ · „Antrópolis“ (Deutsche Erstaufführung, 2019)
Gemeinsam spielt es sich besser – diese Überzeugung dürfte jedes Orchester unterschreiben! Aber das Orchestra of the Americas geht noch einen Schritt weiter, indem es sich ein zweites Jugendorchester aus Europa, das Penderecki Youth Orchestra aus Polen, eingeladen hat. Gemeinsam bestreiten sie ein Programm, das genau dieses amerikanisch-europäische Zusammenspiel in exemplarischer Weise vorführt. Den Anfang machen zwei Werke aus Europa – zuerst eine Verbeugung vor dem großen polnischen Komponisten Krzysztof Penderecki mit einem Satz aus seinem Oratorium Paradise Lost, dann mit einem „Klassiker“ der deutschen Romantik, der dritten Symphonie von Johannes Brahms. Nach der Pause folgt eines der farbenreichsten und spektakulärsten Orchesterwerke der lateinamerikanischen Musik, La noche de los Maya, komponiert 1939 als Filmmusik von Silvestre Revueltas. Den Abschluss macht dann eine weitere mexikanische Komponistin, die dreifache Grammy-Gewinnerin Gabriela Ortiz, deren Orchesterwerk Antrópolis von 2019 in Deutscher Erstaufführung durch die beiden auf dem Podium vereinten Jugendorchester unter der Leitung von Carlos Miguel Prieto zu erleben ist.
Konzerteinführung und Fragerunde um 18:00 Uhr mit Frederik Hanssen im Werner-Otto Saal. Einlass mit Konzertticket.
Das Orchestra of the Americas ist Teil der Orchestra of the Americas Group, zu der auch ein globales Konservatorium, eine Akademie und weitere innovative Projekte aus den Bereichen Musik, Kunst und soziales Engagement zählen. Seit seiner Gründung 2002 hat das Orchestra of the Americas über 400 Konzerte in mehr als 35 Ländern in Amerika, Europa und Asien gegeben. Das Orchester hat über 15 Millionen Menschen durch Fernseh- und Radiosendungen, Aufnahmen, Print- und Fernsehproduktionen erreicht – darunter drei abendfüllende Dokumentarfilme, die dem Orchester gewidmet sind. Seine Mitglieder sind zwischen 16 und 30 Jahre alt und kommen aus mehr als 30 Ländern der gesamten westlichen Welt; nicht weniger als 6000 junge Talente bewerben sich jedes Jahr um die 80 Orchesterstellen. Zu den Composers-in-Residence, mit denen das Orchester zusammengearbeitet hat, gehören Philip Glass (2010 & 2011), Tan Dun (2013), Nicolas Gilbert (2015), Arvo Pärt (2016), Gabriela Montero (2017) und Gabriela Ortiz (2019).
Das Penderecki Youth Orchestra (PYO) repräsentiert den Kern der Idee hinter der Gründung und Mission des Krzysztof Penderecki European Centre for Music in Lusławice wie auch seines Namensgebers, des 2020 in Krakau verstorbenen, in aller Welt gefeierten Komponisten. Gegründet 2013, finden sich im PYO junge, hochtalentierte polnische Musikerinnen und Musiker zusammen, die sowohl in Polen selbst, aber auch in anderen europäischen Ländern studieren. Oft sind sie durch eine lange Geschichte von Bildungs- und Konzertprogrammen mit Lusławice, wo Krzysztof Penderecki seit 1976 seinen Wohnsitz hatte, verbunden. Die Aufnahme in das PYO ist eine Bestätigung der herausragenden instrumentalen Fähigkeiten und einer unverwechselbaren musikalischen Persönlichkeit, gleichzeitig jedoch auch eine Einladung zur Erweiterung des künstlerischen Horizonts, der gegenseitigen Inspiration und dem gemeinsamen Streben nach höchster musikalischer Qualität. Das Orchester, das auf der Grundlage eines Nominierungssystems und ergänzt durch eine offene Ausschreibung gegründet wurde, gab sein Debüt unter der Leitung von Yamen Saadi, Konzertmeister der Wiener Philharmoniker.
Der mexikanische Dirigent Carlos Miguel Prieto zählt zu den wichtigsten Figuren im Musikleben seines Heimatlandes wie in den USA. 2007-2022 war er Chefdirigent des Orquesta Sinfónica Nacional de México, parallel dazu leitete er 2006-2023 das Louisiana Symphony Orchestra. Er dirigierte in dieser Zeit nicht weniger als 100 Uraufführungen von Werken mexikanischer und US-amerikanischer Komponisten. Derzeit ist der 57-Jährige neuer Chefdirigent des North Carolina Symphony Orchester. Als Gastdirigent wurde Prieto zu führenden US-amerikanischen Orchestern eingeladen, nach Cleveland, Los Angeles und San Francisco ebenso wie nach Atlanta, Dallas und Washington. In Europa führten ihn Auftritte zuletzt zum London Philharmonic Orchestra, zur NDR Elbphilharmonie, dem HR-Radio-Symphonieorchester, dem Hallé Orchestra und dem Spanischen Nationalorchester. 2024 feierte Prieto sein äußerst erfolgreiches Debüt bei den BBC Proms in der Royal Albert Hall. Dem Orchestra of the Americas ist der Dirigent seit 2002 eng verbunden; auch mit dem National Youth Orchestra of Great Britain ist Prieto regelmäßig aufgetreten.
Die aus Mexiko-Stadt stammende Gabriela Ortiz hat sich in den letzten Jahren zu einer der führenden Stimmen Neuer Musik auf den Konzertpodien in den USA und Europa entwickelt. Ein Meilenstein in ihrer Karriere wurde 2025 gesetzt, als sie für ihr Porträt-Album Revolución diamantina, aufgenommen vom Los Angeles Philharmonic unter Gustavo Dudamel, mit drei Grammys ausgezeichnet wurde. Von umfangreichen Werken für Orchester und Chor wie Yanga (2019), Konzerten wie Fractalis (2022), politisch aufgeladenen Opern wie Only the Truth (2008), magischen Kammermusikwerken wie Altar de muertos (1997) bis hin zu intimen Solostücken wie Canto a Hanna (2005) zeigt Ortiz' Musik eine raffinierte Kompositionstechnik und eine akribische Aufmerksamkeit für Rhythmus und Klangfarbe. Aufgewachsen in einer Familie, in der vor allem lateinamerikanische Volksmusik gepflegt wurde, erlernte Gabriela Ortiz zuerst Charango und Gitarre, später auch Klavier. Nach ihrem Studium am Konservatorium in Mexiko-Stadt wechselte sie anschließend nach London, wo sie an der Guildhall School of Music ihren Master sowie an der City University ihren Doktor in Komposition und Elektronischer Musik machte.
Frederik Hanssen, geboren 1969 in Berlin, studierte Musikwissenschaft und französische Philologie in seiner Heimatstadt sowie in Clermont-Ferrand und Mailand. Von 1998 bis Ende 2025 arbeitete er als Redakteur für klassische Musik beim Berliner „Tagesspiegel“. Neben seiner journalistischen Arbeit ist er im Bereich Musikvermittlung aktiv, als Autor von Programmheften, als Konzert-Moderator sowie als Referent bei Einführungsvorträgen. Frederik Hanssen lebt mit seiner Familie in Berlin und Rom.


