19:00 Uhr
Zhang Yi Dirigent
Yutong Sun Klavier
Frederik Hanssen Konzerteinführung
ZHANG YING · Akademische Festouvertüre (Deutsche Erstaufführung)
CHEN QIGANG · „Er Huang“ Konzert für Klavier und Orchester (2009)
ANTON BRUCKNER · Symphonie Nr. 2 c-Moll (1871-1872)
Den weitesten Weg zu Young Euro Classic hat in diesem Sommer in jedem Fall das Orchester vom Zhejiang Conservatory of Music zurückzulegen. Erst vor fünf Jahren gegründet, hat es in seiner eigenen Konzertreihe bereits alle neun Beethoven-Sinfonien aufgeführt. Dementsprechend ehrgeizig ist auch das Programm für Berlin: Im ersten Teil ist das Klavierkonzert Er Huang zu erleben, in dem der Komponist Qigang Chen traditionelle Melodien aus seiner Heimatstadt Beijing in ein modernes Orchesterwerk hat einfließen lassen. Kein Geringerer als Lang Lang hat 2009 die Uraufführung in der Carnegie Hall in New York gespielt. Nach der Pause steht als sinfonisches Hauptwerk Bruckners 2. Sinfonie auf dem Programm, die in ihrer Mischung aus wuchtigen Blöcken und feierlichem Fortschreiten bereits alle wesentlichen Merkmale von Bruckners Kunst in sich trägt. Und für den Anfang des Konzerts wartet das chinesische Jugendorchester mit einem ganz neuen Stück auf: einer Akademischen Festouvertüre von Zhang Ying, die zweifellos – man darf gespannt sein – auf ihren berühmten Vorgänger von Johannes Brahms Bezug nimmt.
Konzerteinführung und Fragerunde um 18:00 Uhr mit Frederik Hanssen im Werner-Otto Saal. Einlass mit Konzertticket
Die Orchesterakademie des Zhejiang Conservatory of Music wurde 2020 gegründet und umfasst Studierende sowohl aus China wie auch aus dem Ausland. Ihr Künstlerischer Leiter ist Zhang Yi, der auch als Chefdirigent des Chinesischen Nationalballetts und Künstlerischer Direktor des Symphonieorchesters Zhejiang fungiert. Die Akademie nutzt die pädagogischen und künstlerischen Ressourcen des Konservatoriums wie auch des Symphonieorchesters, um eine professionelle Plattform für die Ausbildung der Studierenden zu gewährleisten. Sie legt Wert auf systematische und umfassende praktische Ausbildung und setzt auf das Modell einer eigenen Konzertsaison. In den fünf Jahren seit ihrer Gründung wurden bereits Beethovens neun Sinfonien sowie Werke aus der Klassik und Romantik von Komponisten wie Mozart, Mendelssohn, Bruckner und Schubert aufgeführt. Außerdem arbeiten die Studierenden mit erfahrenen Vertretern anderer Konservatorien und Orchester zusammen, um sich gezielt auf die Anforderungen der Orchesterpraxis vorzubereiten.
Der chinesische Dirigent Zhang Yi studierte am Zentralkonservatorium in Beijing und setzte anschließend von 2000-2003 sein Dirigierstudium an der Musikhochschule Saarbrücken bei Max Pommer fort. Er zählt zu den einflussreichsten Dirigenten in China und wirkt als Chefdirigent beim Chinesischen Nationalballett, beim Shanghai Symphony Orchestra und beim Zhejiang Symphony Orchestra. Zhang Yi ist neben den wichtigsten Orchestern Chinas auch mit ausländischen Ensembles wie dem London Philharmonic Orchestra, dem Malaysian Philharmonic Orchestra, Tokyo Philharmonic Orchestra, Cuba Symphony Orchestra und Württembergischen Kammerorchester aufgetreten. Er dirigierte eine Vielzahl von Uraufführungen chinesischer Werke wie des Balletts Raise the Red Lantern und die chinesischen Erstaufführungen von Mozarts c-Moll-Messe und Rossinis Stabat mater. 2024 leitete er das Nationale Chinesische Philharmonische Orchester in Abu Dhabi, außerdem wirkte er am offiziellen Konzert zum 75. Jahrestag der Gründung der Volksrepublik China mit.
Geboren 1995 in Tianjin, erhielt Yutong Sun ersten Klavierunterricht mit sieben Jahren. Später studierte er am Zentralkonservatorium in Beijing und am New England Conservatory of Music in Boston, Mass., wo er auch seine Künstlerische Reifeprüfung ablegte. Derzeit ist Yutong Sun Artist-in-Residence am Zhejiang Conservatory of Music. Neben zahlreichen Preisen bei internationalen Wettbewerben, darunter der Internationale Klavierwettbewerb im spanischen Jaén (2012), kann der Pianist auch auf erfolgreiche Konzerte in renommierten Sälen wie dem Salle Cortot in Paris, Palau de la Música Catalana in Barcelona, Jordan Hall in Boston, Bolschoi-Saal St. Petersburg und der Philharmonie Warschau zurückblicken. Er ist außerdem als Kammermusiker vielfach aktiv und hat 2025 die CD Lumina herausgebracht, auf der er die späten Klavierstücke op. 116-119 von Johannes Brahms spielt.
Frederik Hanssen, geboren 1969 in Berlin, studierte Musikwissenschaft und französische Philologie in seiner Heimatstadt sowie in Clermont-Ferrand und Mailand. Von 1998 bis Ende 2025 arbeitete er als Redakteur für klassische Musik beim Berliner „Tagesspiegel“. Neben seiner journalistischen Arbeit ist er im Bereich Musikvermittlung aktiv, als Autor von Programmheften, als Konzert-Moderator sowie als Referent bei Einführungsvorträgen. Frederik Hanssen lebt mit seiner Familie in Berlin und Rom.