19:00 Uhr
Cem Mansur Dirigent
Özgür Ünaldı Klavier
Emre Şener Komponist
„ZAUBER“
ENGELBERT HUMPERDINCK · Vorspiel zu „Hänsel und Gretel“ (1893)
PIOTR I. TSCHAIKOWSKI · Konzert für Klavier und Orchester Nr. 1 b-Moll op. 23 (1874-1875)
EMRE ŞENER · „Je ne sais quoi“ (2026, Deutsche Erstaufführung)
MAURICE RAVEL · „Ma Mère l’oye” Fünf Kinderstücke (1911)
PAUL DUKAS ·„L’Apprenti sorcier” (1897)
Ein gern gesehener Stammgast ist die Nationale Jugendphilharmonie der Türkei bei Young Euro Classic. Denn immer wieder begeistert sie mit einer unwiderstehlichen Mischung aus hohem musikalischem Niveau und mediterranem Lebensgefühl. Hinzu kommt ihr charismatischer Leiter Cem Mansur, der jedes Mal wieder mit abwechslungsreichen Programmen überrascht. So auch in diesem Sommer, wenn das Motto „Zauber“ lautet: Den Einstieg macht das Vorspiel zu der Deutschen liebster Weihnachtsoper, Hänsel und Gretel, am Ende steht eines der apartesten Stücke der französischen Orchestermusik überhaupt, Paul Dukas‘ Zauberlehrling nach Goethes berühmter Ballade. Aus ihrer Heimat Türkei bringt die Nationale Jugendphilharmonie ein Werk des jungen Komponisten Emre Şener mit, dem dann noch Maurice Ravels klangschöne Orchestersuite Ma mère l’oye (Mutter Gans) folgt. Nicht zu vergessen das pianistische Highlight in der Mitte, bei dem der Solist Özgür Ünaldı in Tschaikowskis b-Moll-Konzert mit Tastenzauber glänzen wird. Zauberhafter geht ein sommerliches Festival-Programm fast nicht!
Seit seiner Gründung im Jahr 2007 durch den Dirigenten Cem Mansur versteht sich die Nationale Jugendphilharmonie der Türkei als „Laboratorium der Demokratie“, wo über die intensive musikalische Arbeit hinaus die Prinzipien von Koexistenz, Leadership, Selbstrespekt und Verantwortung verwirklicht werden. Workshops und Seminare nehmen dabei eine wichtige Rolle ein – so auch 2014, als das Orchester zum 25-jährigen Bestehen der Städtepartnerschaft zwischen Istanbul und Berlin zu Gast an der Spree war. Neben den eigenen Festivalauftritten bei Young Euro Classic – zuletzt 2017, 2019, 2022 und 2024 – fanden auch zwei binationale Projekte große Resonanz, so 2011 das Young Euro Classic Festivalorchester Türkei – Deutschland und 2012 das Armenisch-Türkische Jugendorchester. In den letzten Jahren gastierten die Musiker:innen im Alter zwischen 16 und 22 Jahren mit großem Erfolg in den Philharmonien von Dortmund und Essen, im Auditorium in Rom, in Brüssel, beim Brucknerfest in Linz und beim Beethoven-Fest in Bonn. Das Orchester ist ferner häufig in Wien, Budapest, Prag und Warschau aufgetreten. Dabei arbeitete es mit Solisten wie Murray Perahia, Natalia Gutman, Ivo Pogorelich, Stephen Kovacevich, Shlomo Mintz and Salvatore Accardo zusammen.
Die persönliche und künstlerische Biographie von Cem Mansur könnte kosmopolitischer nicht sein: Der englisch-türkische Doppelbürger kam 1957 in Istanbul in einer multinationalen und vielsprachigen Familie zur Welt. Er studierte in London und anschließend am Los Angeles Philharmonic Institute bei Leonard Bernstein. Nach der erfolgreichen Aufführung von Edward Elgars unvollendeter Oper The Spanish Lady 1986 in London folgten Engagements bei international bedeutenden Orchestern und Opernhäusern in Europa und den USA wie auch in Israel und Südafrika. 2009 leitete Mansur die Europäische Erstaufführung von Arvo Pärts vierter Symphonie in Helsinki, 2010 die Uraufführung von dessen Komposition Veni Creator in Polen. 1998-2011 war er außerdem Chefdirigent und Künstlerischer Leiter des Akbank Chamber Orchestra. Als Chefdirigent der Nationalen Jugendphilharmonie der Türkei dirigierte er Gastspiele bei Young Euro Classic und leitete mehrere binationale Projekte, u.a. das Young Euro Classic Festivalorchester Türkei – Deutschland und das Armenisch-Türkische Jugendorchester.
Der türkische Musiker Özgür Ünaldı verfolgt eine zweigleisige Karriere als Pianist und Komponist. Nach ersten Studien in seinem Heimatland wechselte er mit einem Stipendium an das Staatliche Tschaikowski-Konservatorium in Moskau. 2019 gewann Ünaldı den 2. Preis beim Internationalen Brahms-Wettbewerb im österreichischen Pörtschach am Wörthersee. Seitdem konzertierte der Pianist in vielen Konzertsälen der Türkei und Europas; bei einem Auftritt im Mai 2025 im Süreyya Opernhaus in Istanbul spielte er ausschließlich eigene Werke, darunter die Suite First Light, die von Astronomie und Astrofotografie inspiriert wurde. Mit der Bratscherin Elena Ünaldı bildet der Pianist ein festes Duo, das auch gemeinsam am Konservatorium im spanischen Valencia unterrichtet. Darüber hinaus hat er sich mit dem Bosphorus-Trio einen Namen gemacht, mit dem er auch vier Klaviertrios türkischer Komponisten auf CD eingespielt hat. Am Staatlichen Konservatorium Bursa Uludag im westtürkischen Bursa hat Ünaldı eine Professur für Klavier inne.
Der 25-jährige türkische Komponist Emre Şener zählt zu den vielversprechendsten Talenten der jungen Generation seines Landes. Als Absolvent der Londoner Royal Academy of Music studiert der Musiker derzeit mit Stipendien des „Promising Turks Fund“ und der Igor Stravinsky Foundation an der Juilliard School in New York. Geboren in Istanbul, gewann Şener bereits mehrfach Preise bei internationalen Wettbewerben in Großbritannien, Italien, Spanien und den USA. Seine Kompositionen wurden von renommierten Ensembles für Neue Musik wie dem Ensemble Musikfabrik, Ensemble Dal Niente und Riot Ensemble uraufgeführt. Sein Violakonzert erlebte in der vergangenen Saison seine Premiere mit der Gedik Philharmonie im Opernhaus Süreyya in Istanbul. Derzeit arbeitet er an neuen Werken für das Festival Radio France sowie das Lincoln Center in New York. Şener ist darüber hinaus Mitbegründer, Künstlerischer Leiter und Dirigent der London Comtemporary Soloists, mit denen er in den vergangenen drei Jahren nicht weniger als 30 Uraufführungen realisierte und zwei große Tourneen unternahm.