19:00 Uhr
Karina Canellakis Dirigentin
Kirill Gerstein Klavier
Frederik Hanssen Konzerteinführung
SAMUEL BARBER · Ouvertüre zu „The School for Scandal” op. 5 (1931)
GEORGE GERSHWIN · „Concerto in F” für Klavier und Orchester (1924)
BÉLA BARTÓK · Konzert für Orchester (1943)
2019, 2022, 2026: Zum dritten Mal bereits macht das National Youth Orchestra of the United States of America, das NYO-USA, im Rahmen einer Europa-Tournee Station bei Young Euro Classic – und die Erwartungen sind zurecht hochgespannt. Technische Brillanz ist für die jungen Musikerinnen und Musiker aus den USA selbstverständlich, und sie haben mit ihrem Programm reichlich Gelegenheit, dies zu demonstrieren. Nicht nur bei Samuel Barber, einem der ältesten musikalischen Nationalheiligen der USA, von dem die Ouvertüre zu The School for Scandal zu hören ist, sondern vor allem im Béla Bartóks Konzert für Orchester, in dem die verschiedenen Orchestergruppen immer wieder zu herausfordernden Solo-Auftritten eingeladen sind. Durch und durch amerikanisch ist das Concerto in F für Klavier und Orchester von George Gershwin von 1925, eine mitreißende Mischung aus Jazz und Symphonik, bei dem der Wahl-Berliner Kirill Gerstein als Solist zu erleben ist. Am Pult steht mit Karina Canellakis eine echte New Yorkerin, die ebenfalls vier Jahre in Berlin wirkte und von dort aus die entscheidenden Karriere-Schritte für ihre internationale Karriere unternommen hat.
Konzerteinführung und Fragerunde um 18:00 Uhr mit Frederik Hanssen im Werner-Otto Saal. Einlass mit Konzertticket.
2013 gegründet, hat sich das National Youth Orchestra of the United States of America, kurz NYO-USA, in kürzester Zeit weltweit einen hervorragenden Namen gemacht; die New York Times feierte es für seine „kraftstrotzende Vitalität und Selbstvertrauen“. Tourneen führten das Orchester, in dem die besten jungen US-Talente im Alter von 16-19 Jahren zusammen musizieren, in den letzten Jahren nicht nur nach Europa, sondern auch nach Asien und Südamerika, in das Teatro Colón in Buenos Aires ebenso wie in das National Centre of the Performing Arts in Beijing oder die Suntory Hall in Tokyo. Dabei standen renommierte Dirigenten wie Michael Tilson Thomas, Antonio Pappano und Daniel Harding am Pult; bei den Solist:innen reicht die Reihe von der Mezzosopranistin Joyce DiDonato über die Cellistin Alisa Weilerstein bis zu den Geigern Joshua Bell und Gil Shaham und dem Pianisten Emanuel Ax.
Ort der intensiven dreiwöchigen Probenphase ist der Campus des Purchase College der State University of New York, nördlich von New York City, der sich das traditionelle Konzert in der New Yorker Carnegie Hall anschließt.
Dem Berliner Publikum ist die US-amerikanische Dirigenten Karina Canellakis noch in bester Erinnerung, seit sie 2019-23 als Erste Gastdirigentin beim Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin zu erleben war. Inzwischen ist sie in gleicher Position beim London Philharmonic Orchestra tätig, darüber hinaus arbeitet sie seit 2019 als Chefdirigentin mit dem Radio Filharmonisch Orkest in Hilversum zusammen. Im Rahmen der jährlichen Opernaufführungen in Konzertform dirigierte Canellakis zuletzt im März dieses Jahres im Concertgebouw Amsterdam Brittens Peter Grimes, nachdem zuvor ein mehrteiliger Janáček-Zyklus realisiert wurde. Bei der diesjährigen Mozartwoche Salzburg gab die Dirigentin ihr Debüt mit den Wiener Philharmonikern. Regelmäßige Einladungen führen die 44-Jährige, die in New York in einer musikalischen Familie mit russisch-griechischen Wurzeln aufwuchs, zum Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks, zum Orchestre de Paris sowie zu den großen amerikanischen Orchestern in San Francisco, Boston, Philadelphia, Cleveland und Chicago.
Der russisch-amerikanische Pianist Kirill Gerstein ist alles andere als ein Unbekannter in Berlin. Von hier aus, wo er auch seit 2018 eine Professur an der Hochschule für Musik Hanns Eisler innehat, reist er zu seinen Konzerten in aller Welt, wobei sein Repertoire keine Grenzen zu kennen scheint. Es reicht von barocken Suiten über die klassischen Klavierkonzerte bis zu zeitgenössischer Musik, Kabarett und Jazz. Alban Berg und Olivier Messiaen zählen genauso dazu wie Werke von Rachmaninow, die gemeinsam mit den Berliner Philharmonikern unter Kirill Petrenko auch auf CD festgehalten wurden. Einen besonderen Stellenwert nehmen Uraufführungen ein; neben Werken von Chick Corea, Alexander Goehr, Oliver Knussen and Brad Mehldau war es besonders das Klavierkonzert von Thomas Adès, das Gerstein seit 2019 mehr als 60-mal mit 20 verschiedenen Orchestern aufgeführt hat. Geboren 1979 im russischen Woronesch und ausgebildet in St. Petersburg, erhielt der 14-Jährige eine Einladung an das Berklee College of Music, später machte er seinen Abschluss an der Manhattan School of Music. Der Gewinn der Goldmedaille beim Arthur-Rubinstein-Wettbewerb 2001 in Tel Aviv öffnete Gerstein alle Türen für seine steile Karriere.
Frederik Hanssen, geboren 1969 in Berlin, studierte Musikwissenschaft und französische Philologie in seiner Heimatstadt sowie in Clermont-Ferrand und Mailand. Von 1998 bis Ende 2025 arbeitete er als Redakteur für klassische Musik beim Berliner „Tagesspiegel“. Neben seiner journalistischen Arbeit ist er im Bereich Musikvermittlung aktiv, als Autor von Programmheften, als Konzert-Moderator sowie als Referent bei Einführungsvorträgen. Frederik Hanssen lebt mit seiner Familie in Berlin und Rom.
