16:30 Uhr
Vũ Thị Thuỳ Linh Ả Đào, Phách, Trống chầu
Die vietnamesische Komponistin und Performerin Lương Huệ Trinh erforscht Elemente der traditionellen Musik, Geräusche des Alltags und elektronische Klänge. Sie formt und stellt sie in Beziehung zueinander, wodurch sie vielschichtige Klanglandschaften zwischen Realität und Illusion kreiert. Ihre Musik wird zu emotionalen Streifzügen, die die Zuhörer:innen durch Schichten von Erinnerung und Raum führen und das Teilen persönlicher Gedanken ermöglichen.
Im Rahmen des Lách-Tách-Konzerts lädt Lương Huệ Trinh die traditionelle vietnamesische Sängerin Vũ Thị Thuỳ Linh ein, sich dieser Reise anzuschließen. Vũ Thị Thuỳ Linh präsentiert die alten Melodien von Ả Đào, einer jahrtausendealten traditionellen Musikform aus Nordvietnam, die Poesie und Musik mit hochentwickelten Gesangstechniken und einem äußerst komplexen Tonsystem verbindet, begleitet von Phách (Klanghölzern) und Trống chầu (Trommel). Zwei Künstlerinnen, zwei unterschiedliche Herangehensweisen an Klang, prallen aufeinander und schaffen hörbare Zeitsprünge verbunden durch den gemeinsamen Raum. Was der Vergangenheit angehört und was sich in der Gegenwart entfaltet, bleibt nicht getrennt, sondern verwebt sich und erzeugt klangliche Momente – zugleich fremd und vertraut. Diese Musik erklärt nicht, sondern wirft Fragen auf – über die Zeit, über die Erinnerung, darüber, was noch nachhallt.
Lương Huệ Trinh ist eine vietnamesische Multimedia-Komponistin, Klangkünstlerin, elektroakustische Improvisatorin und Organisatorin. Sie schloss ihr Bachelorstudium in Jazz Keyboard an der Vietnam National Academy of Music ab und absolvierte mit Unterstützung eines DAAD-Stipendiums ihren Master in Multimedia Composition an der Hochschule für Musik und Theater Hamburg (HfMT). Für sie ist Klang ein wesentlicher Träger kultureller Erinnerung und gelebter Erfahrung. Dieser interkulturelle Ansatz integriert traditionelle und experimentelle Musikelemente und schafft immersive Klangwelten, die durch Feldaufnahmen von ihren Reisen bereichert werden. Durch digitale Bearbeitung verwandelt sie diese vielfältigen Quellen in vielschichtige Kompositionen.
Lương Huệ Trinhs Praxis umfasst multisensorische Performances, in denen Klang mit visuellen Elementen, Szenografie und ortsspezifischen Werken verwoben wird. Sie komponiert Musik für Theater, Tanz, Installationen, Experimental- und Animationsfilme, Live-Mal-Performances und zeitgenössische Ensembles. Internationale Anerkennung erhielt sie durch Radiosendungen und Auftritte in Museen, auf Festivals und Kunsthochschulen in Asien, Europa, Ozeanien, Nordamerika und Afrika.
Vũ Thị Thuỳ Linh (*1987 in Vietnam) ist derzeit Dozentin für das Instrument Yangqin (ein 36-saitiges Hackbrett) an der Vietnam National Academy of Music. Als Ca nương (Sängerin) widmet sie sich seit 2008 dem Ca Trù – auch bekannt als Hát Ả Đào. Dabei handelt es sich um eine Form der gesungenen Poesie, in der Musik und Literatur eng miteinander verwoben sind. Ca Trù gilt als eine der ältesten traditionellen Kunstformen Vietnams und wird von der UNESCO als immaterielles Kulturerbe in dringender Gefahr geführt.
Sie studierte Ca Trù bei der verstorbenen Künstlerin und Ca Trù-Meisterin Nguyễn Thị Chúc. Im Jahr 2014 gründete sie zusammen mit drei weiteren Mitgliedern die Gruppe Ả Đào Phú Thị, die 2017 am Projekt „Reconstructing Ritual Performance of Hát Cửa Đình” des Vietnam Institute of Culture and Arts teilnahm.
Von 2019 bis 2022 organisierte die Gruppe erfolgreich monatliche Aufführungen in Khâm Thiên, einem Stadtteil von Hanoi, der einst für seine Ca Trù-Häuser bekannt war. Im Jahr 2022 war sie eingeladen, in Taiwan Hát Ả Đào aufzuführen, vorzustellen und zu unterrichten. Ein Jahr später nahm sie am TRAIECT-Projekt teil und trat in Berlin, Hannover und Bremen auf. Im Laufe der Jahre hat sie zahlreiche Auszeichnungen bei Ca Trù-Festivals erhalten.