19:00 Uhr
Oksana Lyniv Dirigentin
Illia Ovcharenko Klavier
Bohdan Sehin Komponist
BOHDAN SEHIN · „Kaiserwald-Walzer“ für Symphonieorchester (Uraufführung)
JOHANNES BRAHMS · Konzert für Klavier und Orchester Nr. 1 d-Moll op. 15 (1854-1858)
ANTONÍN DVOŘÁK · Symphonie Nr. 8 G-Dur op. 88 (1889)
Ihre Konzerte sind immer ein Zeichen der Hoffnung, dass es doch noch ein Leben jenseits des Krieges gibt. Im vierten Jahr des Angriffskrieges Russlands, das selbstverständlich auch das Musikleben der Ukraine massiv beeinträchtigt, kommt das Jugendsymphonieorchester der Ukraine zum vierten Mal zu Young Euro Classic. An der Spitze steht nach wie vor seine Gründerin, die inzwischen vielgefragte Dirigentin Oksana Lyniv, die es geschafft hat, in nur wenigen Jahren – und trotz aller Probleme – das Ensemble auf ein beeindruckendes Niveau zu heben. Im Mittelpunkt des diesjährigen Programmes steht die melodienselige, meisterliche Achte Symphonie G-Dur von Antonín Dvořák, welche die Mitwirkenden wie das Berliner Publikum ganz sicher für eine lange halbe Stunde die kriegerischen Ereignisse vergessen lassen wird. Den Anfang macht ein ebenso poetisches Werk, eine Uraufführung mit dem Titel Kaiserwald-Walzer des in Lwiw lebenden Ukrainers Bohdan Sehin. Als pianistischen Felsen in der Mitte präsentiert das ukrainische Orchester das monumentale 1. Klavierkonzert d-Moll von Johannes Brahms; gespielt wird es von Illia Ovcharenko, der mit seinen 23 Jahren genau in dem Alter ist, in dem Brahms seinerzeit dieses jugendlich-kraftstrotzende Werk komponiert hat.
Das Jugendsymphonieorchester der Ukraine (YsOU) ist ein einzigartiges Projekt, das junge talentierte Musiker:innen im Alter von 12 bis 25 Jahren zusammenführt und fördert. Gerade in diesen für die Ukraine so schweren Zeiten des russischen Angriffskrieges bietet das Projekt einen geschützten Raum, in dem junge Menschen künstlerisch wachsen, neue Perspektiven entwickeln und sichere Gemeinschaft erleben können. Das Orchester wurde 2016 auf Initiative der international renommierten ukrainischen Dirigentin Oksana Lyniv gegründet; die ersten Auftritte fanden gemeinsam mit dem Bundesjugendorchester 2017 statt. Im April 2023 übernahmen die Berliner Philharmoniker die Schirmherrschaft über das YsOU. Zwischen 2023 und 2025 trat das Orchester in zahlreichen bedeutenden Konzertsälen und bei internationalen Festivals weltweit auf, darunter im BOZAR in Brüssel, im Manzoni Auditorium Bologna, beim Beethovenfest Bonn, dem Lucerne Festival und dem Schleswig-Holstein Musik Festival. Highlights der Saison 2025/2026 sind unter anderem das Debüt des YsOU im Concertgebouw Amsterdam sowie die erste Residenz bei den Settimane Musicali Ascona in der Schweiz. Nach 2018, 2022 und 2023 ist das Ensemble nun zum vierten Mal zu Gast bei Young Euro Classic.
Die ukrainische Dirigentin Oksana Lyniv, Tochter zweier Musiker:innen, erhielt ihre musikalische Ausbildung an der Musikakademie ihrer Heimatstadt Lemberg (Lwiw). 2017 wurde sie Chefdirigentin der Oper Graz. Von 2022 bis 2025 war sie Musikdirektorin des Teatro Comunale di Bologna und damit die erste Chefdirigentin an der Spitze eines italienischen Opernhauses. Mit Wagners Der fliegende Holländer zur Eröffnung der Bayreuther Festspiele 2021 schrieb sie Geschichte als erste Dirigentin am Pult dieses Festivals. Im Februar 2024 gab Lyniv ihr Debüt an der Metropolitan Opera in New York. Zu den Höhepunkten ihrer Laufbahn zählen Engagements an der Bayerischen Staatsoper, der Staatsoper Berlin, dem Teatro dell’Opera di Roma, dem Royal Opera House Covent Garden, der Opéra national de Paris, der Oper Frankfurt und dem Gran Teatre del Liceu in Barcelona. Seit dem russischen Angriff auf die Ukraine ist Lyniv in der internationalen Musikwelt zu einer wichtigen künstlerischen Stimme ihres Landes geworden. Mit großem Engagement setzt sich die 45-Jährige für die Entwicklung der klassischen Musik in der Ukraine ein. 2017 gründete sie in Lwiw das internationale Festival LvivMozArt, das an das Wirken von Franz Xaver Mozart in Lemberg anknüpft. Bereits 2016 initiierte sie die Gründung des Jugendsinfonieorchesters der Ukraine, das sie seither als Künstlerische Leiterin prägt und begleitet.
Der 23-jährige ukrainische Pianist Illia Ovcharenko entdeckte das Klavier schon in frühestem Kindesalter; als Sechsjähriger erklärte er seiner Mutter nach einem Konzert mit Tschaikowskis b-Moll-Konzert, später Pianist werden zu wollen. Mit 12 Jahren gab er sein Konzertdebüt in der Nationalphilharmonie von Kyiv und wechselte an das Staatliche Musikgymnasium der Hauptstadt. Anschließend studierte Ovcharenko in Tel Aviv an der Buchmann-Mehta School of Music; derzeit ist er im Master-Studiengang an der Hochschule für Musik in Hannover eingeschrieben. Parallel dazu gewann der Pianist Preise und Auszeichnungen bei nicht weniger als 20 Klavierwettbewerben, darunter den 1. Preis beim Kissinger Klavier-Olymp 2024. Einladungen führten ihn unter anderem zum Orchestre de La Monnaie in Brüssel, dem Toronto Symphony, dem Jerusalem Symphony Orchestra und dem Deutschen Symphonieorchester Berlin. In dieser Saison steht sein Debüt mit einem Solo-Recital in Londons traditionsreicher Wigmore Hall an. Im vergangenen Jahr veröffentlichte der Pianist seine erste CD Litany mit Werken von Sergei Bortkiewicz und Borys Lyatoshynsky. 2026 folgt eine weitere CD mit Klavierkonzerten von Prokofjew, Bortkiewicz und Ravels Klavierkonzert für die linke Hand.
Der 50-jährige Bohdan Sehin ist als Komponist, Kulturmanager und Musikproduzent aktiv, vor allem im westukrainischen Lwiw. Sein Oeuvre umfasst Symphonien, Chor- und Kammermusik wie auch Kompositionen für Theaterprojekte. Sie wurden in Polen, Russland, Lettland und Litauen ebenso aufgeführt wie in Deutschland, der Schweiz, Dänemark, den USA und China. Besonders engagiert ist er im Bereich des Festivalmanagements, so bei „Contrasts“, dem Internationalen Festival für zeitgenössische Musik. Er war 2012 auch Gründer der ersten Meisterklassen für moderne Musik „Course“ sowie 2013 der Ukrainischen Biennale für Neue Musik. 2020 startete Sehin im Zeichen der Covid-Krise ein Projekt „Klänge der Philharmonie Lwiw“, bei dem in den folgenden Monaten mehr als 100 Konzerte der Nationalphilharmonie Lwiw online ausgestrahlt wurden. 2022, als Reaktion auf den russischen Überfall auf sein Land, rief er die Reihe von digitalen Konzerten „Ukraine. Die Musen schweigen nicht“ ins Leben, um die im Land gebliebenen Musikerinnen und Musiker zu unterstützen. Seit September 2023 unterrichtet Sehin das Fach Komposition an der Musikakademie Lwiw.

