19:00 Uhr
Pedro Carneiro Dirigent
Cláudia Ribas Mezzosopran
César Rafael Komponist
Frederik Hanssen Konzerteinführung
„SAUDADE“
HECTOR BERLIOZ · Ouvertüre zu „Le Corsaire“ op. 21 (1844, rev. 1852)
HECTOR BERLIOZ · Arie „Ah, je vais mourir … Adieu fière cite” aus der Oper „Les Troyens“ H 133 (1890)
HECTOR BERLIOZ · „Sur les lagunes“ aus „Les nuites d’été“ op. 7 (1856)
CÉSAR RAFAEL · "Saudades, só portugueses" (Uraufführung)
PIOTR I. TSCHAIKOWSKI · Symphonie Nr. 6 „Pathétique“ (1893)
Bei seinem sechsten Auftritt bei Young Euro Classic begibt sich das Jovem Orquestra Portuguesa (JOP) auf eine musikalische Reise, inspiriert von Saudade, einer unübersetzbaren portugiesische Emotion. „Saudade ist das bittersüße Echo der Sehnsucht, ein anhaltendes Verlangen nach dem, was fehlt – ein unerreichbarer Traum, ein Moment, eine verlorene Seele oder, am stärksten, die Liebe selbst,“ erklärt der Dirigent Pedro Carneiro. Dieses Gefühl von Saudade ist eng mit der Geschichte der portugiesischen Nation verknüpft, insbesondere mit dem Zeitalter maritimer Entdeckungen. Dementsprechend eröffnet das JOP sein Programm mit der Ouvertüre zu Hector Berlioz‘ Oper Der Korsar, gefolgt von Didos herzzerreißendem Abschied aus dessen Oper Die Trojaner, welche die Irrfahrt des griechischen Helden Aeneas zum Thema hat. Als Uraufführung erklingt ein neues Werk des 25-jährige César Rafael, das von der Poesie Fernando Pessoas inspiriert ist, des bedeutendsten portugiesischen Dichters im 20. Jahrhundert. Nach der Pause dann mit Piotr Tschaikowskis sechster Symphonie, der „Pathétique“, ein intensiv-leidenschaftliches Werk, welche das Gefühl der Saudade zwar aus russischem Empfinden, aber nicht weniger aufwühlend in Töne fasst.
Konzerteinführung und Fragerunde um 18:00 Uhr mit Frederik Hanssen im Werner-Otto Saal. Einlass mit Konzertticket.
Das Jovem Orquestra Portuguesa (JOP) kehrt 2026 zum sechsten Mal zu Young Euro Classic im Konzerthaus Berlin zurück. Pedro Carneiro, der künstlerische Leiter des Orquestra de Câmara Portuguesa (OCP), gründete das JOP 2010. Dessen Mitglieder sind zwischen 14 und 28 Jahren und treffen sich regelmäßig, um mit Mitgliedern des OCP und internationalen Gastkünstler:innen zu arbeiten. Das Orchester legt einen Schwerpunkt auf zeitgenössische Werke und engagiert sich ferner in diversen Sozialprojekten: Erinnert sei an das integrative Werk Alcance (Reach) von João Godinho, das 2019 den Europäischen Kompositionswettbewerb gewann (ebenso wie 2017 das Werk der Portugiesin Mariana Vieira). Die Musiker:innen des JOP treffen sich fünfmal im Jahr zu Arbeitsphasen mit barockem, zeitgenössischem, kammermusikalischem oder symphonischem Schwerpunkt, bei denen auch ein wegweisendes Körper-Achtsamkeitsprogramm und Workshops mit führenden Künstler:innen, Philosoph:innen, Politiker:innen und Athlet:innen Teil des Programms sind. Die jungen Musiker:innen spielen oft ganze Programme auswendig und im Stehen; diese enthalten auch Chorgesang, Bewegung und gesprochenes Wort. Das neuste Abenteuer des Jovem Orquestra Portuguesa ist die Gründung eines professionellen Jugendkammerorchesters, das ausschließlich aus ehemaligen Mitgliedern des JOP besteht.
Der portugiesische Dirigent Pedro Carneiro wurde 1975 in Lissabon geboren; er ist der Mitbegründer und künstlerische Leiter des Orquestra de Câmara Portuguesa, des inklusiven Ensembles Notas de Contacto, des Jovem Orquestra Portuguesa (JOP) und verschiedener sozialer Projekte. Neben seiner internationalen Konzerttätigkeit als Solo-Schlagzeuger ist Pedro Carneiro in den letzten zehn Jahren als Dirigent von symphonischer, Opern-, Ballett- und zeitgenössischer Musik aufgetreten. Er erhielt u.a. den prestigeträchtigen Gulbenkian-Kunstpreis. Carneiro hat weltweit die Uraufführung von mehr als 100 Werken gespielt und dirigiert. Er ist mit Orchestern wie dem Los Angeles Philharmonic, Seattle Symphony Orchestra, Budapest Festival Orchestra, Helsinki Philharmonic, SWR Symphonieorchester, English Chamber Orchestra, dem Staatlichen Symphonieorchester São Paulo, dem Gulbenkian Orchestra und dem Orquestra Sinfónica Portuguesa aufgetreten. Seine Diskographie – darunter Solowerke, Kammermusik, Konzertwerke und Improvisationen – wurde von Labels wie ECM, Clean Feed und Rattle Records veröffentlicht.
Die portugiesische Mezzosopranistin Cláudia Ribas studierte nach erstem Unterricht in ihrer Heimat Gesang am Konservatorium in Amsterdam und an der Königlich Dänischen Musikakademie in Kopenhagen. 2024 gewann sie den renommierten Internationalen Gesangswettbewerb im niederländischen ’s-Hertogenbosch, wo sie außerdem den Wagner-Preis, den Publikumspreis und den Junior-Jury-Preis erhielt. Zuvor war sie schon bei portugiesischen Gesangswettbewerben mehrfach erfolgreich. 2022-25 war die Sängerin am Opernstudio an der Oper Frankfurt engagiert; in der laufenden Spielzeit gab sie dort ihr Debüt in der Titelrolle von Rossinis Tancredi. An die Oper Malmö wurde sie eingeladen, um dort Bizets Carmen zu singen. Mit einem Repertoire, das von Händel und Mozart bis hin zu Britten und zeitgenössischer Oper reicht, hat sich Cláudia Ribas in kurzer Zeit als eine der vielversprechendsten portugiesischen Mezzosopranistinnen ihrer Generation erwiesen.
Der 25-jährige portugiesische Komponist César Rafael begann mit Trompetenunterricht in seiner Heimatstadt Vila Real. Später entdeckte er sein besonderes Interesse für Komposition und begann nach erstem Privatunterricht sein Studium an der Universität von Évora. Dort studierte er drei Jahre bei Christopher Bochmann, Hugo Ribeiro und Pedro Amaral und hatte erste Möglichkeiten, mit dortigen Ensembles eigene Werke aufzuführen. 2025 machte er seinen Master-Abschluss bei Pedro Amaral. Parallel dazu nahm Rafael an Meisterklassen und Workshops mit Luís Naon, Michal Rataj und Cláudio de Pina teil. Schon 2023 wurde er für sein Werk Auto Ritrato mit dem Kompositionspreis von SPA/Antena 2 ausgezeichnet; es wurde anschließend vom Gulbenkian Orchestra in Lissabon zum Abschluss des Festivals „Jovens Musicos“ uraufgeführt. Zuletzt gewann César Rafael den Komponistenpreis des Jovem Orquestra Portuguesa für die Saison 2025/26 und schreibt ein neues Werk, das im Rahmen von Young Euro Classic uraufgeführt wird.
Frederik Hanssen, geboren 1969 in Berlin, studierte Musikwissenschaft und französische Philologie in seiner Heimatstadt sowie in Clermont-Ferrand und Mailand. Von 1998 bis Ende 2025 arbeitete er als Redakteur für klassische Musik beim Berliner „Tagesspiegel“. Neben seiner journalistischen Arbeit ist er im Bereich Musikvermittlung aktiv, als Autor von Programmheften, als Konzert-Moderator sowie als Referent bei Einführungsvorträgen. Frederik Hanssen lebt mit seiner Familie in Berlin und Rom.







