16:30 Uhr
Assala El Hamdouchi Qanun
Alaa Zouiten Oud
Dalal El Bied Violine, Stimme
Anass Ouldkalbi Percussion
TRADITIONELL ANDALUSISCH · حبك القمر (dt. Der Mond ist deinem Zauber verfallen)
ANDALUSISCHE MUWASCHSCHAH · ريم رمتني (dt. Reem ließ mich fallen)
N. N. · يا قلبي خلي الحال (dt. Mein Herz, lass die Dinge in ihrer eigenen Wahrheit ruhen)
TRADITIONELL CHAABI · العار يا العار (dt. Hab Erbarmen, hab Erbarmen mit mir)
ANDALUSISCHE MUWASCHSCHAH · لحبيبي أرسل سلام (dt. Meinem Geliebten sende ich einen Gruß)
TRADITIONELL ANDALUSISCH · أنا قد عيّا صبري (dt. Meine Geduld ist müde geworden )
Fünf virtuose Musiker:innen aus Marokko haben tief in die Schatzkammer der arabo-andalusischen Kammermusik gegriffen und nehmen das Publikum mit auf eine melodische Reise durch den nordafrikanischen Maghreb. In sechs ausgewählten Werken vereint das Programm klassische andalusische Standards mit zeitgenössischen Kompositionen, die aus dieser Tradition hervorgegangen sind und sie weiterdenken. Ein Repertoire, das historische Tiefe und lebendige Gegenwart miteinander verbindet.
Die marokkanisch-andalusische Musik entstand in einem gemeinsamen mediterranen Kulturraum und steht exemplarisch für den kulturellen Austausch zwischen Europa und Nordafrika. Ihre modalen Systeme, ihre komplexe Rhythmik und ihre ausgeprägte melodische Gestaltung bildeten eine wichtige Grundlage für die Entwicklung europäischer Musiktheorie. Instrumente wie die arabische Oud, der Vorläufer der europäischen Laute, gelangten durch diese kulturellen Begegnungen nach Europa und erweiterten nachhaltig dessen Klangspektrum.
Im Zentrum dieses Konzerts steht eine Tradition, deren Ursprünge untrennbar mit Europa verbunden sind. In der spezifischen Besetzung wird die musikalische Raffinesse der andalusischen Musik als Kammermusik erfahrbar und eröffnet einen differenzierten Blick auf die kulturellen Verflechtungen der europäischen Musikgeschichte.
Mohcine Ait Ramdan (*1987, Marrakesch) ist Komponist, Sänger und Gembri-Spieler mit marokkanischen Wurzeln und lebt in München. Seine künstlerische Arbeit bewegt sich an der Schnittstelle von musikalischer Praxis, Forschung und transkulturellem Denken. Als künstlerischer Leiter des Ensembles JISR entwickelt er Programme, die marokkanische Musiktraditionen mit zeitgenössischen globalen Klangsprachen in Beziehung setzen und dabei bewusst neue Kontexte und Hörperspektiven eröffnen.
Ausgehend von seiner musikalischen Sozialisation im Maghreb und seiner langjährigen Tätigkeit in Europa versteht Mohcine Ait Ramdan Musik als historisch gewachsenen, zugleich offenen Prozess. Seine Arbeit ist geprägt von einem präzisen Umgang mit überlieferten Formen, improvisatorischen Elementen und kammermusikalischer Transparenz. Dabei steht weniger die stilistische Fusion im Vordergrund als vielmehr die Frage, wie musikalische Systeme miteinander kommunizieren und sich gegenseitig transformieren können.
Assala El Hamdouchi (*1997, Casablanca) ist Qanun-Spielerin und Absolventin des Conservatoire National de Musique et de Danse de Rabat, wo sie den Ersten Preis in ihrer Hauptfachdisziplin erhielt. Sie wirkte früh an großen andalusischen und klassischen Produktionen mit, darunter nationale Konzertreihen, Fernsehproduktionen und internationale Kulturveranstaltungen. Ihr Schwerpunkt liegt in der andalusischen Musik und im klassischen arabischen Repertoire. Assala El Hamdouchi versteht ihr 80-saitiges Kastenzither-Instrument als erzählerische Stimme, die zwischen Tradition und Gegenwart vermittelt und in kammermusikalischen Formationen eine besondere klangliche Tiefe entfaltet.
Alaa Zouiten (*1985, Casablanca) ist Oud-Spieler, Komponist und Kurator. Ausgehend von klassischer arabischer und marokkanischer Musik entwickelte er eine eigenständige musikalische Sprache zwischen andalusischer Musik, Flamenco, Jazz und zeitgenössischen Formen. Nach seinem Studium in Marokko und Deutschland ist er international als Solist und Ensembleleiter tätig. Seine Projekte wurden bei bedeutenden Festivals und Konzerthäusern in Europa, Asien und dem Nahen Osten präsentiert.
Dalal El Bied (*2004, Marokko) ist Violinistin, Sängerin und Medizinstudentin. Sie erhielt eine 14-jährige klassische Ausbildung bei renommierten Lehrern in Marokko und wurde 2021/22 mit dem Preis des neunten Studienjahrs ausgezeichnet. Parallel widmete sie sich der gharnatischen andalusischen Gesangstradition sowie Stilen wie Malhoun, Gnawa und Neo-Chaabi. Dalal El Bied ist zweite Geigerin des Orchestre Philharmonique du Maroc, Mitglied mehrerer klassischer und arabischer Symphonieorchester und tritt regelmäßig bei internationalen Festivals auf. Zudem unterrichtet sie Violine und Solfège am Konservatorium von Salé.
Anass Ouldkalbi (*1997, Marrakesch) ist Percussionist mit einer klaren künstlerischen Haltung und einem feinen Gespür für rhythmische Strukturen. Verwurzelt in marokkanischen und orientalischen Rhythmustraditionen, verbindet er präzise Technik mit musikalischer Aufmerksamkeit und versteht Rhythmus als formendes Element, das musikalische Prozesse trägt, lenkt und öffnet.
Mit Instrumenten wie Darbuka, Riq, Daf, Cajón und elektronischer Percussion bewegt sich Anass Ouldkalbi selbstverständlich zwischen traditionellen und zeitgenössischen Kontexten. Auf der Bühne agiert er mit konzentrierter Präsenz und großer Verlässlichkeit, geprägt durch Erfahrungen bei Konzerten, Festivals, Fernsehproduktionen und pädagogischer Arbeit. Diese Vielseitigkeit macht ihn zu einem Musiker, der musikalischen Dialog ermöglicht und Klangräume bewusst gestaltet.