16:30 Uhr
Laris / Lara Bäucker Stimme, Objekte
Hatem Hamdy Stimme, Elektronik
Joaquín Macedo Modularer Synthesizer
Differenzen hören, aushalten und fruchtbar machen: Vier Musiktraditionen, vier Biographien, eine erstmalige musikalische Begegnung. Das FUTURE NOW-Ensemble &ñịoن erkundet, was passiert, wenn unterschiedliche musikalische Sozialisationen sich begegnen, reiben und widersprechen. Zwischen Missverständnissen, unerwarteten Übereinstimmungen und einem behutsamen Verlernen von Gewohnheiten entsteht im gemeinsamen Schaffensprozess eine Komposition, die bei FUTURE NOW Musical Diaries erstmalig erklingen wird.
Das Begegnungsensemble besteht aus Musiker:innen, die interdisziplinär in Berlin arbeiten. Der argentinische Komponist und Soundkünstler Joaquín Macedo widmet sich experimenteller Musik und der Zusammenarbeit mit Performer:innen. Bei Berliner:in Laris / Lara Bäucker steht die Suche nach einem Zusammenkommen mit dem Publikum im Mittelpunkt der musikalischen Praxis – mit Stimme, Performance und Komposition. Als Komponist, Tonmeister und Videokünstler arbeitet Vinh Tran, Berliner mit vietnamesischen Wurzeln, auf einem analog-digitalen Kontinuum. Er präpariert Gitarren mit akustischen Verzerrern, spielt algorithmisch abgeleitete Muster auf dem Klavier oder nutzt den Laptop als Instrument. Hatem Hamdy, in Kairo geboren und aufgewachsen, verbindet arabische und westliche Traditionen und greift dabei gleichermaßen auf seine Perspektiven als Ingenieur und Komponist zurück.
Das Ergebnis dieser vielschichtigen Begegnung? Niemand spielt hier als Repräsentant einer Kultur. Stattdessen entsteht Musik als gemeinsamer Prozess: Aus dem Neben- wird ein Miteinander, das alle gemeinsam erstrahlen lässt.
Vinh Tran ist Komponist, Performer, Tonmeister und Videokünstler und lebt in Berlin. Seine Werke wurden auf führenden Festivals für zeitgenössische und experimentelle Musik präsentiert, darunter das Kontakte Festival, ZKM next_generation und die Klangwerkstatt Berlin. Er arbeitet im analog-digitalen Kontinuum, spielt algorithmisch abgeleitete Muster auf dem Klavier, präpariert Gitarren mit akustischen Verzerrungsgeräten und nutzt die Laptop-Schnittstelle als Musikinstrument. Seine Performances stellen die Interaktion zwischen Körper und Maschine in den Vordergrund und hinterfragen die Grenzen zwischen Natur und Kultur. Aufgrund seiner Erfahrungen als in Deutschland geborener Künstler mit vietnamesischem Hintergrund hinterfragt er die Gegensätze, die sowohl musikalische als auch soziale Wahrnehmung prägen: organisch vs. synthetisch, Ost vs. West, Mensch vs. Technologie. Als Spezialist für elektronische und elektroakustische Musikperformances hat er Live-Tontechnik und technische Umsetzung für Performances und Installationsarbeiten beim Bauhaus Fest Dessau, im Schwulen Museum und bei MEHRLICHT!MUSIK übernommen. Ausgebildet als Tonmeister an der Universität der Künste in Berlin, ist er davon überzeugt, dass die besten Aufnahmen aus einer engen Synergie zwischen Künstler:in und Produzent:in entstehen.
Laris / Lara Bäucker (*2000 in Berlin) kreiert, konzipiert und tritt auf im Bereich der zeitgenössischen Musik, des Musiktheaters und der Performance-Kunst. Von 2019 bis 2025 studierte Laris Komposition in Berlin bei Mathias Hinke und Marc Sabat und lernte ein Jahr in Zürich bei Isabel Mundry. Aktuell bildet sich Laris am Institut für Angewandte Theaterwissenschaft in Gießen fort. In deren künstlerischer Praxis erforscht Laris die Beziehungen von Klang und Körperlichkeit und wie Aufführungen eine intime Begegnung – mit sich selbst, einer Gemeinschaft, mehr-als-menschlichen Akteur:innen und subalternen Perspektiven – ermöglichen können. Verschiedene Kollaborationen führten Laris bisher ans Schauspielhaus Zürich (So schön, 2023), ans C-Lab in Taipei, ans Hessische Staatstheater Wiesbaden (feldfuge und Die Königin der Frösche, 2025), ans ZKM Karlsruhe und zum Mariendom in Linz. Des Weiteren ist Laris als performende:r Instrumentalist:in und Sänger:in tätig und engagiert sich im deutschlandweiten Netzwerk Freies Musiktheater.
Aus Maadi am Nil, südlich von Kairo, stammt Hatem Hamdy, ein Musikliebhaber, dessen Musikwahrnehmung von den dichten Klängen des ägyptischen Alltags geprägt wurde. Sein künstlerischer Weg führte von einem überwiegend westlichen Verständnis von Schönheit und Raffinesse hin zu einer offeneren Hörweise, die unterschiedliche Klangrealitäten nebeneinander gedeihen lässt. Nach Studien des Ingenieurwesens in Ägypten und der Komposition an der Universität der Künste Berlin sucht seine Musik eine eigene Sprache – in einem Kulturraum, in dem Stimmen des globalen Südens trotz des Anspruchs auf Offenheit oft nur innerhalb vorgegebener Rahmen sichtbar werden dürfen.
Joaquín Macedo, geboren in Buenos Aires, lebt seit 2015 in Berlin. Er arbeitet als Komponist experimenteller Musik und verbindet seine künstlerische Praxis eng mit künstlerischer Forschung. Im Zentrum seiner Arbeit steht die Zusammenarbeit mit Performer:innen. Klang versteht er als räumliche Kraft, die Räume erzeugt, verschiebt und unterwandert.
Er studierte elektronische Musikkomposition bei Guillermo Pozzati an der Universidad Nacional de las Artes (Argentinien) und experimentelles Musiktheater bei Daniel Ott an der Universität der Künste Berlin. 2026 promovierte er an der Hochschule für Musik und Theater Hamburg mit seiner Dissertation Sound as para(-)site Phantom.
Seine Werke wurden international aufgeführt, u. a. in Griechenland, der Schweiz, Argentinien und Deutschland sowie bei Festivals wie Forum Wallis, Klangwerkstatt Berlin und Ultraschall. Er lehrte an der Universität der Künste Berlin und der UNA in Buenos Aires. Joaquín Macedo ist Redaktionsmitglied des Journal for Artistic Research.